Verstärkung im Haus des Handwerks - 05.04.2017

Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft Ortenau findet die passende Mitarbeiterin über das Inklusionsprojekt Arbeitsplatz inklusiv.

Susanne Drotleff (rechts), Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Ortenau, schätzt Birgit Rix als verlässliches Teammitglied.

Schwerbehindertenausweise zählen auf dem Arbeitsmarkt nicht zu den Empfehlungsschreiben. Das Beispiel der Kreishandwerkerschaft Ortenau zeigt, dass es sich trotzdem lohnen kann, geeignete Bewerber mit Handicap im Vorstellungsgespräch und Praktikum besser kennenzulernen.

In der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft sind Mitarbeiter gefragt, die Flexibilität mitbringen, Eigeninitiative zeigen und als Persönlichkeit ins Team passen. Die Hürden für Kandidaten sind entsprechend hoch. Birgit Rix hat sie mit Leichtigkeit genommen. Das Besondere: Die inzwischen seit 1. August 2016 fest angestellte Bürokraft wurde über das Inklusionsprojekt Arbeitsplatz inklusiv vermittelt.

Die Voraussetzungen für den Start bei der Kreishandwerkerschaft scheinen auf den ersten Blick nicht günstig gewesen zu sein. Die Vermittlung in einen Pflegedienst in den Monaten zuvor war missglückt. „Ihr Lebenslauf war so bunt wie eine Blumenwiese“, erinnert sich Susanne Drotleff, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Ortenau. Trotzdem sei sie neugierig gewesen auf diese Bewerberin.

Mit ihrer vielseitigen Berufserfahrung in Verbindung mit ihrer Lebenseinstellung kann Birgit Rix im Bewerbungsgespräch überzeugen. Tätig zu sein, sei für sie wichtig gewesen, der Beruf habe nicht unbedingt eine Hauptrolle gespielt. „Ich habe mich nicht gescheut, Jobangebote anzunehmen, die nicht in mein Berufsbild gepasst haben.“ Die gesammelten Erfahrungen bereue sie nicht. „Sie haben mich zu dem gemacht, was ich bin.“

„Ich brauch hier Menschen, die ihren Mann oder ihre Frau stehen“, stellt Susanne Drotleff, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Ortenau klar. Mitarbeiter müssten auch mit dem manchmal etwas „raueren Klima“ im Handwerk zurechtkommen – wie Birgit Rix. „Die Chemie hat von Anfang an gestimmt.“ Auch das sei wichtig in dem kleinen, fast familiären Team der Geschäftsstelle, das neben der Organisation der Kreishandwerkerschaft auch für elf Innungen zuständig ist. „Wir müssen uns auf einander verlassen können.“

Auch über Umwege zum Erfolg

Seit Juli 2015 bieten die ASW+W gGmbH der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch und die AföG Ortenau gGmbH als Dienstleister das Inklusionsprojekt Arbeitsplatz inklusiv an. Träger sind die Agentur für Arbeit Offenburg und die Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis Jobcenter. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert das Projekt.

„Schlüssel für die erfolgreiche Vermittlung sind unsere Jobcoaches“, erklärt Karin Heiss-Ignasiak, Projektleiterin von Arbeitsplatz inklusiv. „Sie beraten und begleiten die Menschen mit Schwerbehinderung, die an diesem Inklusionsprojekt teilnehmen. Sie sind aber auch Ansprechpartner für die Unternehmen.“ Rund 60 Teilnehmer mit Handicap haben die Coaches seit 2015 bereits erfolgreich auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Dabei gelingt es nicht immer, die Bewerber auf Anhieb mit dem passenden Betrieb zusammenzubringen. Auch Birgit Rix fand erst nach zwei Fehlversuchen das richtige Unternehmen. „Klar, dass man den Kopf hängen lässt, wenn eine Anstellung nicht klappt. Dann sind unsere Coaches umso stärker gefordert“, so die Erfahrung von Heiss-Ignasiak. „Aber das Durchhalten lohnt sich!“

Birgit Rix ist als Arbeitskraft und verlässliches Teammitglied in der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft angekommen. Ihr Handicap hat keinen Einfluss auf den Arbeitsalltag. Notwendige Heilbehandlungen kann die Büroangestellte problemlos außerhalb ihrer Arbeitszeit wahrnehmen.

Bei den Jobcoaches von Arbeitsplatz inklusiv hat die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft bereits „eine zweite Frau Rix“ angefragt. In einem Praktikum lernen sich derzeit Bewerber und Unternehmen besser kennen. Ängste anderer Arbeitgeber, einen Menschen mit Schwerbehinderung einzustellen, kann Susanne Drotleff teilweise nachvollziehen. „Ich würde mir wünschen, dass unsere Erfahrung auch Nachahmer bei den Handwerksbetrieben findet.“ Die wesentlichen Auswahlkriterien für alle Bewerber sollten sein: „Persönlichkeit, Fähigkeiten und der Wille.“

 

Info

www.arbeit-fuer-alle.eu

arbeitsplatz.inklusiv(at)arbeit-fuer-alle.eu