36. Offenburger Wirtschaftsforum - Partnerschaft als Mehrwert - 26.07.2017

Wie Inklusion funktionieren kann, wie Partnerschaft zwischen Industrie, Gesellschaft und der Lebenshilfe für alle gewinnbringend gelingt, das zeigte das jüngste Wirtschaftsforum bei der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch e.V. am 11. Juni auf beeindruckende Weise.

60 Unternehmer und Unternehmerinnen konnte Oberbürgermeisterin Edith Schreiner zum 36. Wirtschaftsforum der Stadt Offenburg begrüßen - eine Begegnungsplattform, die das Stadtoberhaupt initiierte und seit 14 Jahren lebendig am Laufen hält.

Das Forum fand nach 2005 bereits zum zweiten Mal bei der Lebenshilfe statt, diesmal vor dem Hintergrund des 50-jährigen Bestehens der Albert-Schweitzer-Werkstätten. Gastgeber Achim Feyhl, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch e.V., zeigte in seinem Vortrag die Bandbreite der Dienstleistungen und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit auf, skizzierte die erfolgreiche Entwicklung und nahm die Anwesenden mit auf einen "Inclusion Walk" durch das helle, moderne Gebäude mit Sinnesgarten in der Otto-Hahn-Straße.

Inclusion Walk

An kreativen Info-Punkten präsentierte die Lebenshilfe Produkte und Dienstleistungen sowie aktuelle Kooperationen mit Partnern aus Gesellschaft und Wirtschaft. Beeindruckend waren nicht nur das vorgestellte barrierefreie Indoor-Leitsystem per Smartphone-App oder die hohe Qualität und Feinarbeit in der Elektromontage. Auch die Einsatzmöglichkeiten der "Grünen Hand" in der Garten- und Landschaftspflege für Kommunen, Betriebe und Privatleute überraschten in ihrer Vielfalt. Vorgestellt wurden hier u.a. selbst entwickelte, variable Hochbeete. Einblicke gab es zu Druck-, Montage- und Verpackungsarbeiten über haushaltsnahe Dienstleistung und Hausmeisterservice, Aktenvernichtung und Demontage von PCs bis hin zu grenzüberschreitenden, EU-geförderten Kooperationen.

Dass bei der Lebenshilfe der Mensch mit seinen individuellen Fähigkeiten und Neigungen im Mittelpunkt steht, spiegelten die Motivation und das Engagement wider, mit der die bei der Lebenshilfe Beschäftigten ihre Arbeitsbereiche vorstellten. Achim Feyhl brachte es auf den Punkt: "Macht man was für Menschen mit Behinderung, tut man was für alle." Zusammenarbeit kann eine echte Bereicherung sein! Großes Lob richtete Feyhl auch an OB Schreiner: "Es ist spitze, wie Sie in der Stadt beim Thema Inklusion weiterkommen."

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Klar wurde: Heute bietet die Lebenshilfe mit ihren Unternehmen die ganze Bandbreite an Beschäftigung. Sie hat sich als Bildungsträger und Personalentwickler für Menschen mit Behinderung in der Ortenau etabliert. Jobcoachs qualifizieren, vermitteln, begleiten und machen so Teilhabe möglich - von der Werkstatt bis zum allgemeinen Arbeitsmarkt. Angestrebt wird ein wachsender Anteil an sozialpflichtig versicherter Beschäftigung. Allerdings werde Teilhabe immer komplexer, erklärte Feyhl. Enorm schnell seien die heutigen Veränderungen in Arbeitsprozessen - und damit die Herausforderungen. Umso beeindruckender sind die Erfolge der Lebenshilfe. Unter dem Begriff "Corporate Social Responsibility" werden inzwischen immer mehr Unternehmen und Einrichtungen mit dem Prädikat "unbehindert miteinander ... einfach, barrierefrei" ausgezeichnet, die zum Beispiel einen barrierefreien Service bieten oder behinderte Menschen in ihrem Betrieb beschäftigen - 2016 waren es über 50 Unternehmen im Landkreis.

2017 feiern die Albert-Schweitzer-Werkstätten ihr 50-Jähriges. Das ist eine Wegmarke. Vor fünf Jahrzehnten startete die Lebenshilfe ihren Werkstattbetrieb damals in noch angemieteten Räumen im katholischen Gemeindezentrum Heilig Geist in Albersbösch. 1967 begann der Aufbau der "Beschützenden Werkstätte" im Unteren Angel. Heute sind die Werkstätten in Offenburg Im Seewinkel und in der Otto-Hahn-Straße sowie am Standort Oberkirch, in den Mönchsmatten. Von den rund 700 Menschen, die bei der Lebenshilfe tätig sind, haben etwa 400 Mitarbeiter eine schwere Behinderung. Gemeinsam mit den Wohneinrichtungen gehören die Werkstätten zum Lebenshilfe-Unternehmen ASW+W gemeinnützige GmbH.

Impuls für weitere Kooperationen

OB Edith Schreiner: "Die Lebenshilfe ist ein aktiver und wahrnehmbarer Mosaikstein unserer starken Offenburger Wirtschaft. Es sind bereits viele Kunden unter den Gästen. Ich würde mich freuen, wenn das heutige Treffen für einige weitere hier ein Impuls für eine fruchtbare Kooperation wäre." Auch das kommunale Weingut Schloss Ortenberg arbeite seit vielen Jahren mit Unterstützung der "Grünen Hand". Sie unterstrich die Wichtigkeit von Integration und Inklusion. "Die Stadt Offenburg hat dies auch in ihren eigenen strategischen Zielen verankert, lebt und fördert diese. Es gilt, die Möglichkeit zur Teilhabe stetig zu optimieren." Sei es die städtische Infrastruktur - als Beispiel die Arbeiten zur Aufwertung der Innenstadt inklusive Barrierenabbau, der kürzlich erfolgte Umbau des Ritterhauses, das barrierefreie Internet, gut erreichbare öffentliche Sanitäranlagen -, seien es kulturelle Angebote wie aktuell die Stadt- und Museumsführungen, die auf Behinderungen ausgerichtet wurden -, Bildungsangebote, Arbeitsplätze, Wohnraum, Zusammenarbeit. Der regelmäßig tagende Runde Tisch zu dieser Thematik, den Schreiner anschob, habe schon zahlreiche gute Vorschläge zu Verbesserungen beigesteuert. "Zweifellos gibt es aber noch viel zu tun!"

Opens external link in new window(Mehr Fotos und Eindrücke des jüngsten Wirtschaftsforums finden Sie in unserer Bildergalerie)